Das unbekannte Land in dir: Wie Skulpturarbeit verborgene Welten enthüllt

13. März 2025

Worum geht es in der systemischen Skulpturarbeit?

 

“Ich bin mir selbst ein unbekanntes Land. Ich muss mich immer wieder neu entdecken.” – Virginia Satir

 

Die Skulpturarbeit dient der Klärung von Problem- und Lösungsfragen und basiert auf einer systemisch-konstruktivistischen Sichtweise. Sie ist auf verschiedene Systeme anwendbar und kann in unterschiedlichen Varianten eingesetzt werden. Zentrale Prinzipien dabei sind:

• Bewegung löst Bewegung aus

• Innenwelten sind subjektive Konstruktionen und können durch äußere Darstellungen sichtbar gemacht werden

• Einzelne Elemente und das Gesamtbild eines Systems lassen sich durch Protagonisten reproduzieren

• Wahrnehmung und Position innerhalb eines definierten Raums sind eng miteinander verknüpft

• Beziehungen und Funktionen einzelner Positionen werden durch die Skulpturarbeit erfahrbar, wodurch sowohl die gegenwärtige Situation als auch mögliche Lösungen sichtbar und nachvollziehbar werden.

 

Ablauf einer Skulpturarbeit

 

Zu Beginn wird einem Anliegen oder zentralen Frage ein Auftrag formuliert.

Der Auftraggebende stellt mithilfe von Stellvertretern die aktuelle Situation dar, wählt jedoch für sich selbst einen Platzhalter. Diese Außenperspektive ermöglicht eine neue Sicht auf das Geschehen. Die Gestik, Mimik und Körperhaltung der beteiligten Personen kann so innere Dynamiken von Systemen sichtbar machen.

 

Anschließend werden die Vor- und Nachteile der bestehenden Konstellation reflektiert, wobei deutlich wird, dass auch der Status quo die aktuell bestmögliche Lösung darstellt.

Danach übernimmt der Auftraggebende seine eigene Rolle in der Skulptur und erlebt seine Position aus der Innenperspektive. Im nächsten Schritt verändert er unter Anleitung diese bewusst, um besser für sich zu sorgen. Diese neue Haltung eröffnet eine erste Lösungsoption.

 

Nun wird beobachtet, welche Auswirkungen diese Veränderung hat. Schließlich nehmen auch die übrigen Beteiligten kleine Anpassungen ihrer Positionen vor. Diese neue Anordnung wird zunächst mit geschlossenen Augen gespürt, dann bewusst wahrgenommen und reflektiert. So werden die Veränderungen und ihre Wirkung auf das gesamte System erfahrbar.

 

Themen und Herausforderungen

 

Klientinnen und Klienten kommen mit dem Wunsch nach Veränderung, sei es in Beziehungen zu Partnern, Eltern, Kindern oder Kollegen. Oft stehen dabei Muster im Mittelpunkt, die sich beispielsweise in einer fehlenden Verbindung zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, Schwierigkeiten mit Abgrenzung und Selbstschutz, einer Tendenz zur Abhängigkeit, mangelndem Raum für persönliche Entfaltung oder emotionalem Mitleiden mit wichtigen Bezugspersonen zeigen.

 

Lösung durch Skulpturarbeit

 

Je mehr man als eigenständige Person seinen inneren Raum wahrnehmen, abgrenzen und schützen kann, desto stärker wird der Zugang zu sich selbst – und damit zu Selbstbestimmtheit, Klarheit und Eigenverantwortung. In der Skulpturarbeitwird von Anfang an ein „Selbst“ des Klienten ins System integriert – jener Teil, der durch das Problem verdrängt wurde. Durch den Prozess der Aufstellung wird dieser innere Raum geklärt, sodass eine Verbindung zum eigenen Selbst wieder möglich wird.

 

Dadurch können im laufe der Entwicklung neue und gesunde Beziehungsdynamikenentstehen die in der Vergangenheit in zugrunde liegenden Mustern wie emotionalen Blockaden, Süchte oder hinderliche Verhaltensweisen – häufig mit ihren Wurzeln in der Ursprungsfamilie, eine Rolle spielten.

 

 

AvS 3/2025 dieser Beitrag wurde von Astrid Schimmelpenninck, Systemische Paar- und Familientherapeutin, geschrieben.